Eckpfeiler der Montessoripädagogik - heute


Maria Montessori lebte und arbeitete im letzten Jahrhundert. Sie arbeitete viele Jahre eng mit ihrem
Sohn Mario zusammen. Nach ihrem Tod im Jahre 1952 führte Mario ihre Arbeit weiter.

Dr. Maria Montessori war die erste Medizinerin in Italien und wandte sich erst später der Pädagogik zu.
Ihr Zugang zur Pädagogik war aber von der Sicht der Ärztin geprägt – immer erst Diagnose – Beobachtung:
Wie weit ist das Kind in seiner Entwicklung? Ist es in der Entwicklung zurückgeblieben, finden sich Störungen
oder braucht es Förderung in seiner Hochbegabung? Dr. Montessori sah immer zuerst das Kind. Das Kind
steht auch im Mittelpunkt und nicht die Gedanken an Lehrplan und Lernziele.

„Mit ihrer pädagogischen Arbeit wollte Maria Montessori zum einen im positiven Sinne auf die kindliche Entwicklung
einwirken und zum anderen den Kindern dabei helfen, sich an die natürlichen Gegebenheiten ihrer Umwelt und die
sozialen Bedingungen der Gesellschaft, in der sie aufwachsen, anzupassen.“

(Mario Montessori 2008,S.13)

Dr. Montessori beobachtete, dass Kinder in verschiedenen Alterstufen unterschiedlich lernen und konzipierte
Erziehungspläne für die verschiedenen Lebensabschnitte.

"Den aufeinanderfolgenden Persönlichkeitsphasen des Kindes müssen aufeinanderfolgende Erziehungspläne entsprechen.
Unsere Methoden sind nicht nach bestimmten Prinzipien ausgerichtet, sondern nach den Eigenarten der verschiedenen
Altersstufen. Daraus ergibt sich die Notwendigkeit mehrerer Erziehungspläne.“

(Montessori, Von der Kindheit zur Jugend, 1966,S.23)

So unterscheidet Dr. Montessori zwischen dem Lernen für Kleinstkinder im Alter von 0 – 3 Jahren (dem Lernen in
Kinderkrippen, „Nidos“), dem Lernen mit 3 – 6 Jahren (im Kinderhaus), dem Lernen im Grundschulalter von 6 – 12 Jahren
und auf der nächsten Stufe die Jugendlichen (12-15/18 Jahren).

Für jedes Alter des Kindes finden wir bei Dr. Montessori einen speziellen Erziehungsplan. Die vorbereitete Umgebung
unterscheidet sich grundlegend von Kinderhaus, Elementarschule und einer Umgebung gemäß dem Erdkinderplan.
Alle Lerngruppen sind jahrgangsübergreifend gebildet. Dadurch nutzt die Montessoripädagogik die Möglichkeit, dass
Kleinere von Größeren lernen und umgekehrt. Hier sind große Chancen für soziales Lernen und auch für eine inklusive
Pädagogik.

Das Mobiliar ist angepasst und in offenen Regalen steht im Kinderhaus das Sinnesmaterial und für ElementarschülerInnen
das didaktische Montessorimaterial – als materialisiertes Curriculum. Keine Flut von Material, eine wohldurchdachte Ordnung,
die systematisches Lernen ermöglicht. Jedes Material ist nur einmal vorhanden, Kinder müssen sich verständigen, wer wann
welches Material nehmen kann.

Dr. Montessori hat mit Nachdruck auf den Zusammenhang von Bewegung und Intelligenz hingewiesen. Bereits die ersten
Bewegungen des Neugeborenen sind verbunden mit Sinneswahrnehmungen. Wahrnehmungen dringen durch die Tore der
Sinne in das Gehirn – Licht, Schall, Geruch, Geschmack, Tastempfindungen werden dann im Gehirn aktiv geordnet und mit
jeder neuen Anregung wieder umgeordnet.
    
„Das Kind muss sich immer bewegen, kann nur aufpassen oder denken, wenn es sich bewegt.“
(Montessori, Grundlagen meiner Pädagogik, Freiburg, 2006, S.21)

Eine besondere Bedeutung spielt neben den fünf Sinnen die Hand. Die Hand ist für Montessori das Organ des Geistes – vom
Greifen zum Begreifen. Dazu gibt es eine Vielzahl von Materialbeispielen –
    
     Sandpapier-BuchstabenPerlenstäbchenGlobus

Ein weiterer wichtiger Grundsatz bei Dr. Montessori ist, Zusammenhänge aufzuzeigen.

„Einzelheiten lehren, bedeutet Verwirrung stiften. Die Beziehung unter den Dingen herstellen, bedeutet Erkenntnisse vermitteln.“
(Montessori, Kosmische Erziehung, Freiburg 1988, S.126)

Die Kinder der zweiten Entwicklungsstufe (die Schulkinder) wollen die ganze Welt verstehen, sie sind sehr neugierig und wissbegierig.
Maria und Mario Montessoris Konzept für diese Alterstufe ist die Kosmische Erziehung. Sie erzählten Geschichten, die einen
panoramaartigen Überblick über die Entstehung des Kosmos, der Erde, über die Entwicklung der Pflanzen, der Tiere usw. geben.

 Schwarzes Band

Kosmos bedeutet Ordnung, Harmonie und Schönheit. Die Kinder verstehen den Kosmos als Geschenk an alle Menschen. D
as ist die ökologische und zugleich humanitäre Aufgabe, Verantwortung für den Planeten zu übernehmen.
Mit den Kosmischen Geschichten bekommen die Kinder eine umfassende Vorstellung vom Universum als Ganzes. Sie vertiefen,
was sie interessiert. Hier liegt die Begründung für die freie Arbeit in der Montessoripädagogik, was wir heute unter dem Begriff
„selbstorganisiertes Lernen“ fassen.

„Geschichten treiben uns um, nicht Fakten.“

Freie Arbeit in einer jahrgemischten Lerngruppe und eine gut strukturierte, vorbereitete Umgebung sind die Eckpfeiler für
individuelles, nachhaltiges Lernen. Das Kind entscheidet was und womit es arbeiten will, mit wem, wo und wie lange.

Wenn aber fast jedes Kind etwas anderes arbeitet, muss den Kinderhauskindern einzeln gezeigt werden, wie man mit den
Materialien umgeht. Jedes Kind hat ein Recht auf den Pädagogen, aber nacheinander.
Schulkinder sind am Miteinander interessiert, brauchen die Gruppe. Sie hören die Geschichten gemeinsam, der Pädagoge gibt
Schlüssel zum Lernen mit     Materialdarbietungen und Experimenten für eine Gruppe von Schulkindern. Schulkinder forschen
und präsentieren ihre Arbeiten, sie führen Lerntagebücher, sammeln ihre Arbeiten in Lernportfolios.

Detaillierte Beobachtung, Planung, Organisation gehören für Pädagogen zum Handwerkszeug.

Es gibt viele pädagogische Ziele bei Montessori: Unabhängigkeit, „Normalisierung“, Rücksicht gegenüber anderen Menschen,
Liebe, Achtung vor der Natur, Verantwortung für die Erhaltung des Kosmos, Weiterentwicklung der menschlichen Kultur,
Interesse, Ausdauer bei der Arbeit, verbunden mit Selbstdisziplin.
Dies alles fließt bei Dr. Montessori zu einem Ziel zusammen - dem Frieden. Montessoripädagogik ist Friedenserziehung.